Schafft Euch ein Nebenamt

Schafft euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, womöglich ein geheimes Nebenamt. Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht. Vielleicht ist es ein Einsamer, ein Verbitterter, ein Kranker, ein Ungeschickter, dem Du etwas sein kannst. Vielleicht ist`s ein Greis, vielleicht ein Kind. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann! An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden. Darum suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum findet. Lass Dich nicht abschrecken, wenn Du warten oder experimentieren musst. Auch auf Enttäuschungen sei gefasst. Aber lass dir ein Nebenamt, in dem du dich als Mensch ausgibst, nicht entgehen. Es ist dir eines bestimmt, wenn du nur richtig willst. 

 ( Albert Schweitzer )

 

Nebenamt - Ehrenamt - Hospizarbeit

Seit Menschengedenken hat die Gesellschaft verschiedene Rituale und Traditionen entwickelt, um mit ihren Sterbenden und Toten umgehen zu können. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert starb die überwiegende Mehrheit der Menschen zu Hause, versorgt von den Frauen im Familienverband. Durch die zunehmende Verdrängung der Großfamilie in unserer Industriegesellschaft, an deren Stelle Klein- und Kleinstfamilien sowie Single-Haushalte treten, sind viele Menschen aus Zeitmangel nicht mehr in der Lage, ihre sterbenden Angehörigen zu pflegen. Dadurch fehlt es oftmals an menschlicher Zuwendung und Geborgenheit.

Um diesem Dilemma zu begegnen hat sich in Deutschland seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Idee des Hospizdienstes entwickelt, die sich anfänglich auch gegen Widerstände und Hemmnisse durchsetzen musste. Mittlerweile wird ihr Achtung und Respekt gezollt und die Zahl der Hospize, Hospizinitiativen und Palliativstationen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Dies ist zum großen Teil der Verdienst von Ehrenamtlichen. Diese Männer und Frauen, von der Hospizidee berührt und angeregt, haben durch ihr ehrenamtliches Engagement deutlich gemacht:

  • Sterbenden steht ein würdevoller und wertschätzender Platz in der menschlichen Gemeinschaft zu
  • Sterbende und ihre Angehörigen haben ein Recht auf Zuwendung, Unterstützung und umfassende Sorge in Achtung ihrer Selbstbestimmung, ihrer persönlichen Geschichte und Hoffnungen.

Die Begleitung Sterbender ist vornehmlich mitmenschliche Zuwendung und Begegnung und das Verschenken von Zeit, ein in der heutigen Gesellschaft kostbares gewordenes Gut. Diese urchristliche Handlungsweise hat eine Qualität, die durch keine Profession zu ersetzen ist. 

So stellt sich für die Tätigkeit in einer Hospizinitiative unter anderem das große Aufgabenfeld der mitmenschlichen Begleitung: Eingehen auf Bedürfnisse (erfordert keine besonderen fachlichen Fähigkeiten), sich als Mitmensch zu verstehen, offen und achtsam die Situation eines Menschen in seiner letzten Lebensphase wahrzunehmen. Achtsamkeit meint aufmerksam sein für das, was dem Betroffenen helfen könnte, was ihm gut tut. Das können auch kleine Wünsche, wie zum Beispiel ein Glas Wein, ein Eis, das Vorlesen einer Geschichte oder einfach nur Zeit sein.

Im Hospiz-Team erleben Ehrenamtliche die Aufgaben gemeinsam zu tragen. Schwierige Situationen können in der Supervision besprochen werden. Der gemeinsame Austausch in der Gruppe, verbindende Rituale geben Kraft und Stärke, dieses besondere Ehrenamt auszuüben. In qualitativ hochwertigen Aus- und Fortbildungsangeboten werden Ehrenamtliche auf ihren Einsatz vorbereitet. Es können Fähigkeiten entwickelt werden, die auch zum persönlichen Wachstum und zur emotionalen Bereicherung beitragen. Natürlich werden Aufwendungen wie Fahrtkosten erstattet. Weiterhin besteht ein Versicherungsschutz während der ehrenamtlichen Tätigkeit.

 

Kontakt

Falls Sie sich angesprochen fühlen und auch Sie sich ein Nebenamt schaffen und Zeit verschenken möchten, dann sprechen Sie uns an.

Hospizbewegung Einbeck e.V. 
Einbecker Str. 9a
37574 Einbeck

Tel.: 0 55 61 / 7 99 42 78